Mit 17 stolperte ich über DJ Culture. Eine Promotionsarbeit über Plattenauflegen, Subkultur und das, was Musik mit Gesellschaft macht. Ich wusste damals nicht viel über den Autor. Der Name Ulf Poschardt war für mich nicht mehr als ein Buchrücken. Jahre später taucht er wieder auf – als Herausgeber der Welt, als Stimme in Talkrunden, irgendwann auch in meinem Feed. Und dann: Shit Bürgertum. Ein Buch, das den Punk nicht als Nostalgie behandelt, sondern als Haltung. Als etwas, das man entweder in sich trägt oder eben nicht.
Ich habe es letzte Woche gekauft. Angefangen zu lesen. Und irgendwo zwischen den ersten Seiten ist mir aufgefallen, das ich damals mit 17 bereits einen Poschardt in meinem Regal stehen hatte. Das ist das Schöne an Jahrzehnten: Sie sortieren sich manchmal still im Hintergrund. Interessen, Einflüsse, Referenzen – vieles davon legt sich übereinander, ohne dass man es merkt. Und dann, irgendwann, ergibt das Muster plötzlich Sinn. Poschardt hat in Philosophie promoviert. Geht vom Style her in eine Richtung, die ich verstehe. Und er feiert den Punk in sich ab – ohne Entschuldigung, ohne Nostalgie-Geste.
Manchmal braucht man zwanzig Jahre, um zu verstehen, warum man mit 17 bereits das richtige Buch gekauft hat.

